Jeder kann malen

Genauso wie jeder Mensch essen kann, so ist es auch beim Malen. Dabei behaupten oder denken viele Menschen von sich, nicht malen zu können. Dies liegt daran, dass wir an das entstehende Bild denken. Wir denken vielleicht an ein Bild, was die Realität besonders gut wiedergeben kann oder künstlerischen Aspekten entspricht. Jedoch geht es eigentlich um den Moment des Malens.

In unserem Alltag erleben wir häufig den Druck, etwas leisten oder besonders gut machen zu müssen. Vieles soll gut dargestellt werden. Wir präsentieren uns, um unsere eigenen Erwartungen und die der anderen zu erfüllen. Dabei liegt unser natürliches Bedürfnis darin, spielerisch mit Farbe umzugehen und eine eigene Malspur zu hinterlassen.

Bei jüngeren Kinder kann ich die unbeschwerte Freude noch sehr klar sehen. Wenn sie in den Malraum kommen, sind sie darüber begeistert, sich die Farben frei nehmen zu dürfen. Sie spüren die Impulse, wie das Bild mit Farben und Formen wachsen kann. Sie bemerken, dass der Malraum frei von äußeren Einflüssen, Bewertungen und Einschränkungen ist, wodurch sie anfangen noch freier ihre ureigenen Bilder zu malen. Die Schönheit dieser Bilder liegt in der Besonderheit, dass sie in Freiheit mit gleichzeitiger Verbundenheit zu sich selbst gemalt wurden.

Der Malraum ist gerade auch für Erwachsene ein Ort, an dem sie diese ursprüngliche Freiheit wieder spüren können. Die Haltung, dass du frei malen kannst und als Individuum, also mit eigener Geschichte und Bedürfnissen, wichtig bist, schafft Raum.

Du beginnst zu malen und darfst hier sein wie du bist. Innere Blockaden, Themen oder Glaubensmuster können auf unterschiedlichen Ebenen (auf Bild-, Malprozess- und Beziehungsebene) auftauchen und haben so die Möglichkeit sich zu lösen. Das magische Eintauchen in den Malfluss ist dadurch unbeschwerter und es entstehen Bilder, die dich berühren und überraschen.